Aus dem Leben Teil 2 Feierwahnsinn

Feierwahnsinn

Was wäre das Leben ohne Feiern ? Das sagen sich unsere Verwandten wahrscheinlich täglich vor dem Schlafengehen. Um über das ganze Jahr eine gleichmäßige Feier-Auslastung zu erhalten, haben sie sich einen generalsstabsmäßig geplanten Feierkalender erarbeitet. Anders jedenfalls ist die Häufigkeit und Gleichmäßigkeit nicht zu erklären. Da wären im Sommer bis in den Herbst hinein natürlich die Grillfeste zu nennen. Anschließend kommen die Weinproben und Winter und Frühjahr die Spielabende. Generell ist damit schon fast jede Woche im Jahr verplant. Aber nur fast. Um auch diese Zeiten zwischen den Feiern auszugleichen werden dahinein die Geburtstags- Namenstags- Hochzeits- und sonstige Jubiläumsfeiern gelegt. Damit ist gewährleistet, daß das ganze Jahr sauber abgedeckt ist.

Ein kurze Rechnung

Ich habe 2 Schwestern mit je 2 Kindern und 1 Mann, meine Frau hat einen Bruder mit 2 Kindern und einer Frau: macht zusammen 9 Personen. Das sind 18 Wochenden für Geburtstag und Namenstagsfeiern und 3 Wochenenden für Hochzeitsfeiern. Macht zusammen 21 Wochen.

In den Sommermonaten (Mai bis September) kann man mit 1 Grillfest in je 4 Wochen rechnen. Macht pro Familie 5 Wochenenden und zusammen 15 Wochenenden. Gesamtsumme bis jetzt 21 plus 15 = 36 Wochenenden.

Jetzt noch pro Familie 3 Weinproben (9 Wochenenden) und 3 Spielabende (9 Wochenenden) und schon haben wir das ganze Jahr ausgebucht (36 +18 = 54 Wochen)

Sie werden sagen, ja aber das Wochenende hat doch 3 Tage. Das stimmt zwar, aber jetzt kommen ja noch die Feiern unserer Eltern, Großeltern und Tanten hinzu. Daß wir unsere eigenen Anlässe nicht mehr feiern, ist hoffentlich jetzt jedem verständlich. Falls nicht, dann sicherlich nach dem Lesen der  nächsten Zeilen.

Das Prozedere

Der Ablauf einer Feier läuft dabei wie folgt ab. Obwohl ja die letzte Feier nach obiger Berechnung nicht lange her sein kann, lautet die erste telefonische „Anfrage“: „Wir haben jetzt doch schon lange nicht mehr mit Euch gefeiert !, wie wäre es denn am Samstag Abend um 17:00 ! – also bis dann und bringt ja nichts mit, wir haben für alles gesorgt- es wird ein italenischer Abend, Familie Wasti (Name geändert) kommt vielleicht auch mal kurz vorbei“ – und aufgelegt –

Rufen wir jetzt nicht binnen 5 Minuten mit einer sehr plausiblen, bis jetzt noch nie dagewesenen Entschuldigung, die durch ausführliche Hintergrundinformationen erhärtet und begründet werden kann, zurück, heißt das Einladungsgespräch übersetzt für uns:

Eigentlich wärt Ihr ja mal wieder mit Feiern dran, aber wenn Ihr das nicht macht, laden wir euch eben ein, dafür müßt Ihr aber für die Getränke und das Essen sorgen. Nicht vergessen italenisch. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Familie Wasti mit voller Besetzung und großem Hunger erscheint. Da um 17:00 die Feier beginnt muss also alles um 16:00 beim Gastgeber bereit stehen. Damit wissen wir Bescheid und können uns bis zum Termin ganz der gewissenhaften Vorbereitung widmen. Meistens erhalten wir so ca. 1-2 Tage vor der Feier noch einen Hinweis auf das Erscheinen von weiteren lieben Gästen, so dass wir uns noch rechtzeitig logistisch auf die geänderten Mengen und Vorlieben der Gäste einstellen können.

Die Feier

Am Tag der Feier kommen wir pünktlich 1 Stunde früher um mit der Bemerkung „wir haben eine Kleinigkeit mitgebracht“ die exakt vorbereiteten Speisen und Getränke abzugeben. Das obligatorische „das hätte es doch nicht gebraucht“ fällt nur noch, wenn wir außerdem noch ein Gastgeschenk für den Hausherrn mitbringen. Dieses muss allerdings vom Jahrgang und der Hanglage exakt den Vorstellungen des „Gastgebers“ entsprechen. Die für die lieben Kinder besorgten Geschenke werden nun brav abgegeben und wir bekommen dann nach einer Getränkewunschs-Suggestivfrage prompt das gewünschte Getränk serviert.

Nach dieser Prozedur kommen dann auch meistens schon die anderen eingeladenen Gäste. Natürlich konnte sich Familie Wasti ebenfalls frei machen um kurz, von 17:00 bis 0:30, vorbei zu schauen. Der Rest ist schnell erzählt. Es folgt das Essen,  danach für die Herren einen Klaren, meist ein mir äußerst zuwiderer sogenannter „Bärwurz“, der noch schlimmer schmeckt als er schon heißt und für die Damen einen Likör. Anschließend sind 2-3 Stunden Geplänkel und BlaBla angesagt. Selten mal ist ein Witz oder sonstiges Unterhaltsames zu hören. Spätestens wenn der Gastgeber das zweite Mal in den Keller muss, um Nachschub aus eigenen Beständen nachzufüllen, werden die Blicke zur Uhr und die Bemerkungen über doch so schnell vergehende Zeit aufdringlich und mahnen auch den fröhlichsten Zecher zum baldigen Aufbruch.

Typisierung

Die Varianten der verschiedenen drei großen Typen von Feiern, Grillfest, Geburtstags/Jubiläum und Feiertagsfeiern sind schnell erklärt. Bei Grillfesten ist der Gastgeber meistens abwesend um sich um das umdrehen der Fleischstücke und Würstchen zu kümmern, bei den Geburtstagsfeiern/Jubiläum ist vor dem Essen die Prozedur des Geschenkeauspackens und Begründungen der Schenker angesagt. Bei den Feiertagsfeiern ist die Kleiderordnung strenger als bei den anderen beiden. Damit wären im großen und ganzen die klassischen Feiern und deren Ablauf hinreichend beschrieben. Die nächste wird nicht lange auf sich warten lassen. Eigentlich könnten wir ja mal wieder einladen.

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