Huawei-P20-Pro Vergleich Sony RX-10 IV

Endlich wieder Innovationen

Noch vor wenigen Jahren waren Aufnahmen, wie sie das Smartphone Huawei-P20-Pro erstellt, undenkbar. Ebenso war man damals der Meinung, wer ein gutes Foto machen wollte, war entweder ein begnadetes Genie oder brauchte eine halbwegs gute Spiegelreflex-Kamera. Fotografisches Handwerkskönnen natürlich vorausgesetzt. Mein Irrweg ist hier nachzulesen.

In den letzten Jahren begannen dann auch die Smartphones erfolgreich im Fotomarkt mitzumischen. Auch bei mir gehört ein Smartphone fest zu meiner Ausrüstung. Ich habe es definitiv immer dabei und es ist unauffällig. Für diese beiden Gebiete ist es daher unschlagbar und es ergänzt mein  Equipment  sinnvoll. Hauptsächlich wird es aber mehr für den dokumentarischen Bereich verwendet bei dem die Qualität der Fotos zweitrangig ist. Stilvolle und künstlerische Fotos gehören da nicht dazu.

Das Huawei-P20-Pro

Fast monatlich kommen neue Smartphones auf den Markt, aber große Sprünge oder Innovationen blieben in letzter Zeit aus. Auch bei Apple oder Samsung, die sich immer wieder mit neuen und innovativen Produkten hervorgetan haben, war in letzter Zeit nichts mehr davon zu sehen. Ich denke das Huawei-P20-Pro,  wird der Fotografie wieder neuen Schwung geben. Nicht nur, weil das Handy drei Objektive verbaut hat, sondern weil die Software daraus die Aufnahmen mit Einsatz künstlicher Intelligenz so verrechnet, dass Fotos entstehen, wie sie vor ein paar Jahren noch Profi DSLRs vorbehalten waren. Vielleicht ist dies ein wenig übertrieben, aber ich werde an ein paar Beispielen zeigen, was möglich ist und wo die Grenzen liegen.

Jetzt aber los

Als Hobbyfotograf interessiert mich natürlich nur die Kamera und die Software dazu, telefonieren kann ich auch mit jedem beliebigen Knochen. Die technischen Daten verraten schon einmal eine Überraschung. Der Sensor der Hauptkamera ist der bisher größte eines Smartphones und übertrifft das iPhone X flächenmäßig um mehr als das 2-fache.

Das Huawei-P20-Pro soll bei Low-Light und auch im kleinen Telebereich gute Fotos machen. Dies will ich im direkten Vergleich mit einer Sony RX-10 IV, die von der Fachwelt als weltweit beste Systemkamera eingestuft wurde, beurteilen. Dies ist auch die Kamera, die ich am häufigsten nach meinem Downgrade von einer Vollformat Canon 6D benutze. Ich bearbeite die Foto nach den Aufnahmen mit Lightroom hinsichtlich Farbe, Kontrast und Schärfe wenn möglich und nötig etwas nach, je nach dem, was aus dem jeweiligen Foto noch rauszuholen ist. Das mache ich bei allen Fotos, warum sollte ich es hier nicht tun. Im Endeffekt zählt ja das bestmögliche fertige Foto und nicht irgendwelche Labormessdaten. Einzelne Pixel wurden aber nicht angerührt. Lediglich den Zuschnitt habe ich noch angepasst, so dass die Fotos leichter vergleichbar sind. ich möchte noch erwähnen das dies ein subjektiver Praxistest ohne jegliche Messwerte ist. Für mich zählen die Eindrücke nicht die Messwerte.

Meine Aufnahmen

Erste Disziplin ist ein normales Foto im Tageslicht mit Mischbeleuchtung und auch harten Kontrasten, wie es oft im täglichen Bereich vorkommt. Iso bei beiden auf dem kleinsten Wert. Beide von Hand aufgenommen.

Links das P20-Pro Foto, rechts das der RX-10 IV.
Man sieht, dass das P20-Pro den Himmel etwas einfärbt. Die Farben sind allgemein kräftiger und die dunkel/hell Kontraste links stellt das P20-Pro besser dar. Ansonsten recht ähnlich.

Normal/Weitwinkelaufnahmen
Normal/Weitwinkelaufnahmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt zoome ich 100% zur Bildmitte hinein und da stellt man sofort Überraschendes fest. Die KI erkennt vermutlich die Blätter und Blüten und stellt diese wesentlich detaillierter dar als die RX-10. Noch gravierender ist aber das Bildrauschen. Das P20-Pro rechnet dieses sehr gut heraus, bei der RX-10 ist es deutlich zu sehen.

P20-Pro
100% Zoom links P20-Pro, rechts RX-10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Foto zeigt, dass normale Aufnahmen im standardmässigen Weitwinkelbereich des P20-Pro mit denen der RX-10 ebenbürtig bzw. sogar besser sind. Eigentlich unglaublich, wenn man sich den kleinen Sensor bedenkt.

Nahaufnahmen

Nun zu Nahbereichsaufnahmen. Ich bin mit der RX-10 so nahe an das Motiv ran, wie sie noch scharf stellen konnte, also fast auf Berührung des Objektives. Mit dem P20-Pro habe ich dann die gleiche Aufnahmeposition gesucht. Ansonsten keine besonderen Einstellungen.

Vergleich P20 und RX-10
Vergleich P20-Pro und RX-10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was fällt auf? Das P20-Pro kräftigt wieder die Farben im Vordergrund, das gesamte Bild der RX-10 wirkt etwas flau. Die hell durchscheinenden Bereiche dämpft das P20-Pro ab und färbt diese sogar intelligent und richtig ein, wie man an der gelben Blüte, aber auch an den grünen Zweigen erkennen kann.

Nun wieder der 100% Zoom.

100% Zoom links P20 rechts RX-10
100% Zoom links P20-Pro, rechts RX-10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ist die KI-Unterdrückung bzw. Korrektur noch besser zu erkennen. Das Bild der RX-10 ist hier jedoch etwas schärfer und kontrastreicher. Zu erkennen an den schwarzen Verästelungen der roten Blüte rechts.  Insgesamt sieht das P20-Pro Foto aber eindeutig schöner aus, egal wie man es dreht. Die KI leistet hier ganze Arbeit, hätte ich nie gedacht.

Der Telebereich

Der dreifache optische  Zoom des P20-Pro entspricht ca. 50mm, der 5-fach Zoom 135 mm und der 10-fach Zomm ca. 270 mm Brennweite. Hier zeigen sich interessante Dinge. Die Qualität der Fotos in diesen Bereichen hängt beim P20 offensichtlich davon ab, welches Motiv fotografiert wird. Bei klaren Strukturen, wie z.B. Architektur oder Technik, kommt die Qualität des Huawei P20-Pro bis ca. 80mm Brennweite fast an die der RX-10 herab. Die Detaillierung und Texturen bei der RX-10 sind jedoch höher.

Bei stärkerem Zoom, die P20-Pro verwendet dabei einen Hybridzoom, optisch und digtial gemischt, kann sie verständlicherweise nicht mehr mithalten, was auch kein Wunder ist. Hier ist das im Vergleich zum P20-Pro „riesige“ Zeiss-Objektiv der RX-10, die ja noch bis 600mm zoomen kann, klar im Vorteil.

Bei Bäumen und Blättern erfindet das Huawei das Bild zum Teil neu, was mit der Wirklichkeit nicht mehr viel  zu tun hat. Hier übertreibt es die KI. Selbst wenn man die KI vermeintlich ausschaltet, ist dies der Fall. Offensichtlich kann dies nie ganz abgeschaltet werden. Subjektiv sind die Fotos jedoch auch noch sehr gut, beim Vergrößern fällt dies aber auf.

RX-10 80mm
RX-10 80mm Brennweite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P20-Pro umgechnet 80mm
P20-Pro umgechnet 80mm
Rx-10 270mm Brennweite
Rx-10 270mm Brennweite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P20-Pro umgerechnet 270mm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vergleich P20 RX-10
Vergleich RX-10 links und P20-Pro rechts- hier übertreibt es das P20-Pro. Mehrere Blätter werden zu einem Blatt umdefiniert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Low light Bereich Außenaufnahmen

Jetzt zu den für alle Kameras schwierigen Aufnahmen mit wenig Licht wie in der Dämmerung, unbeleuchteten Räumen oder Nachts. Üblicherweise nimmt man dazu ein Stativ und belichtet so lange es nötig ist. Bei diesem Vergleich soll jedoch von Hand aufgenommen und vergleichen werden, da das P20 auch dafür geeignet sein soll. Normalerweise muss die ISO  hochgedreht werden, um eine kleine Belichtungszeit und damit verwacklungsfreie Aufnahme zu erhalten. Bei der RX-10 IV ist dies so wie bei  bisher allen bekannten Kameras. Beim Huawei P20-Pro hingegen übernimmt dies eine KI-gesteuerte spezielle Nacht-Funktion und erlaubt eine Belichtung von Hand bis 32 ! Sekunden (automatisch oder manuell) In beiden Fällen einfach von Hand draufhalten, ein wenig wackeln macht nichts aus. Die Software rechnet dies alles wieder heraus, unglaublich.

Die Aufnahme habe ich um ca. 21:00 Uhr nach Sonnenuntergang durchgeführt. Eine extrem schwierige Aufnahmesituation für beide Geräte um überhaupt noch brauchbare Aufnahmen zu erhalten.

Nachtaufnahmen von Hand

Nachtaufnahmen von Hand – Gesamtbild beide

Nachtaufnahme P20 Pro
Nachtaufnahme P20 Pro Belichtung 6! Sekunden Blende 1.8 ISO 100

 

 

 

 

 

 

 

Nachtaufnahme RX-10
Nachtaufnahme RX-10 ISO 320 1/15 Sekunde  Blende 2.4

Es zeigt sich wie schon im Telebereich. Sind klare Linien und Strukturen vorhanden kann das P20 Pro  auftrumpfen. Die KI kann dann diese verstärken, nachschärfen und das Rauschen wirkungsvoll herausrechnen. Bei Bäumen und und Blätter hingegen versucht es Dinge zu erraten und dann so darzustellen wie  es am geeignetsten erscheint. In den Totalaufnahmen ohne Vergrößerung,  ist dies noch nicht einmal zu erkennen. Erst beim Hineinzoomen in das Bild sieht man, dass in den betreffenden Bereichen und im Gegensatz zur RX-10 IV keine feienen Details mehr enthalten sind.  Werden die Fotos nur für das Internet oder kleinen Ausdrucken verwendet, dann leistet das P20 Pro hier saubere Arbeit und schafft dabei fast unmöglich geglaubtes. Für wirklich gute Nachtaufnahmen die auch hochauflösend gedruckt werden können, ist es aber nicht geeignet. Ich spreche aber immer noch von reinen Nachtaufnahmen aus der Hand, das darf nicht vergessen werden. Nachtaufnahmen mit Stativ und manuellen Einstellungen sind ein anderes Thema und ich werde dies später auch noch testen.

Low light Bereich Innennaufnahmen

Innenaufnahme Abends sehr wenig Licht links RX-10 rechts P20 pro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innenaufnahme Nacht 100% Vergrößerung links RX-10 rechts P20 pro
Innenaufnahme Abens sehr wenig Licht 100% Vergrößerung links RX-10 rechts P20 Pro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Gesamtbild erkennt man an mehreren helleren Bereichen, dass die RX-10 mehr Licht einsammeln kann, was auf Grund des großen Objektives nicht verwunderlich ist. Die Aufnahmen wirken jedoch beide sehr ähnlich. In der Vergrößerung sind etwas mehr Details bei der RX-10 zu erkennen. Das P20 zeigt jedoch schärfere Linien, mehr Kontrast und wesentlich weniger Rauschen. Auf dem Klavier wurde das Rauschen nahezu eliminiert. Direkt links von den Blumen und rechts neben der Geige schleicht sich aber ein Fehler der KI ein. Dort werden Schatten zu Klecksen. In Summe liefert das P20 Pro in diesem speziellen Szenario aber ein eindeutig  besseres Ergebnis.

Foto mit Stativ

Jetzt noch eine eigene Disziplin. Das bestmögliche Foto herausholen. Dazu Einsatz eines Stativs bei beiden, ausreichend Beleuchtung und jeweils die höchstmögliche Auflösung. Das heisst beim P20-Pro der 40 Megapixel-Modus, beim RX-10 20 Megapixel (Grundeinstellung). Zum leichteren Vergleich habe ich in Lightroom die Vergleichsansicht eingeschaltet und dann einen Screenshot mit 5120 x 2880 erstellt.

Stativ und so hochauflösend wie möglich
Stativ und so hochauflösend wie möglich

In dieser Vollansicht sind beide Fotos so gut wie identisch, lediglich der leichte Lichtverlauf links wird von der RX-10 noch feiner dargestellt.

Bei 100% Vergrößerung erkennt man etwas mehr Details der RX-10 am Bildrand, dagegen zeigt das P20-Pro ein satteres schwarz (Bildmitte) und mehr Kontrast. Diese Vergrößerung ist gut zum Beurteilen eines Ausdrucks, da hier auch alle Pixel zu sehen sind, die gedruckt werden. Die Farben beider Bilder wurden nicht angepasst und sind nahezu identisch.

 

 

 

 

 

Nun noch eine 200% Vergrößerung, um evtl. Unterschiede zu erkennen. Im praktischen Gebrauch ist dies aber unerheblich, da diese weder im Ausdruck noch auf einem Display zu sehen sind. Man erkennt wieder die leichten Detailverluste des P20-Pro.  Bei Ausschnittsvergrößerungen hat die RX-10 also etwas mehr Potential, aber die Unterschiede sind wirklich sehr gering.

 

 

RAW Bilder

Auf Wunsch speichert das Huawei auch RAW Fotos im dng Format ab. Sie sind daher direkt in Lightroom/Photoshop einlesbar. Hier zeigt sich Interessantes. Die interne Bildverarbeitung ist offensichtlich so gut, dass die jpg wesentlich besser sind als optimierte RAW Bilder. Selbst nach Bearbeitung in Lightroom, konnte ich nicht mehr aus den raw Bildern herausholen, wie sie in den fertigen jpg Bilder vorhanden sind. Im Beispielbild (direkter Screeshot aus dem Lightroomvergleich) sieht man, dass im jpg-Format die Software schwarz gefärbt hat was schwarz sein soll, die Farben sind korrekter (Messingkugel) und auch die Details sind besser aufgelöst. In der 200% Vergrößerung (ist dies gut zu erkennen.

Raw JPG Vergleich
Raw JPG Vergleich

 

200% Vergrößerung
200% Vergrößerung – links RAW rechts jpg

Zusammenfassung

Für ein Handy sind die Bilder des Huawai P20-Pro unglaublich gut. Im direkten Vergleich zu der RX-10 gibt es sogar mehrere Bereiche, in denen sie diese subjektiv gesehen schlägt, was meines Erachtens einer Sensation gleichkommt.  Hier meine  Beurteilungen der verschiedenen Aufnahmesituationen.

Das Huawei P20-Pro liefert subjektiv bessere Foto bei

-Normalbildern/Weitwinkel
-Nahaufnahmen
-Nachtaufnahmen aus der Hand bei Innenaufnahmen

Die RX-10 IV liefert bessere Foto bei
-allen Telebereich Aufnahmen
-Stativaufnahmen
-Nachtaufnahmen aus der Hand bei Aussenaufnahmen (mit Bäumen)

Die überaus umfangreiche Software zur Bildbearbeitung des Huawei P20-Pro, die keine Wünsche offen lässt, stelle ich in einem kommenden Blog vor.
Was man bei diesem Vergleich aber nicht vergessen darf:  Ich habe nur verglichen was auch vergleichbar ist.  Daher z.B. nicht über die Selfies oder den umfangreich Funktionen der RX-10 zur Scharfstellung. Bei der Bedienung, den Funktionen, der Scharfstellung, Blendensteuerung , Serienbildaufnahmen, dem Handling sowie der Konfigurierbarkeit, hat das P20 Pro der RX-10 IV nichts vergleichbares entgegen zu setzen. Das eine ist eine reine Kamera, die auch nur das kann und soll. Das andere ist ein Handy mit guten Kamerafunktionen und dafür erzeugt es verdammt gute Bilder, die eine „echte“ Kamera in vielen  alltäglichen Situationen ersetzen kann.

Jetzt stelle man sich vor was zu erwarten ist, wenn in nächster Zeit die DLSR Kameras mit ähnlicher Software ausgestattet werden. Wahrscheinlich rücken dann alle Kameras jeweils eine Kategorie nach oben.

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