Produktfoto leicht gemacht

Allgemeines zu Produktfotos

Man benötigt ja immer wieder einmal ein Produktfoto zum Beispiel für eBay, seine eigene Webseite/Blog oder Community Seiten. Nichts, außer dem eigentlichen Text, wertet einen Beitrag mehr auf, als ein sauberes, scharfes und ansprechendes Foto. Es gibt dazu tausende Youtube-Videos, kaufbare Bücher und DVDs, die alle an ihren Mann gebracht werden wollen. Von daher wird das Thema im jeweiligen Medium sehr gründlich behandelt und man muss schon eine Menge an Zeit investieren, um überhaupt zu wissen, auf was es ankommt. Oft wird dann auch noch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Dann braucht man, je nach Medium, alle möglichen Hilfsmittel, angefangen bei der Beleuchtung, ferngesteuerten Blitzanlagen, Lichtzelten und vieles mehr. Zu letzteren wird immer gerne geraten, da sie sehr kostengünstig sind und angeblich das meiste bringen.

Meine Vorbereitung

Ich benötige das alles nicht, da ich nur selten bis nie, hochauflösende Fotos in Profiqualität für Hochglanzbroschüren brauche. Ich denke auch, ein sauberes einfaches Foto reicht für die angesprochenen Zwecke aus. Gebraucht wird nur eine Kamera, wer hätte das gedacht, ein Stück Boden oder freie Fläche. Ich nehme ganz einfach oft den Fußboden im Wohnzimmer oder ein paar nebeneinander gelegte weiße DIN A4 Blätter, wenn der Boden nicht brauchbar ist. Bei den Blättern ist aber zu beachten, dass die Fotos dann zwar wie gewünscht nur das Produkt zeigen, aber es wirkt dafür etwas kalt und vielleicht sogar zu professionell, was nicht immer von Vorteil ist. Es kann dann sein, dass angezweifelt wird, dass es sich echt um das beschriebene  Produkt handelt und einfach ein Bild aus dem Internet, der Herstellerfirma usw. ist.

Desweiteren ist ein Programm zum Verkleinern und Beschneiden der Fotos sehr ratsam. Da gibt es im Internet sehr gute und auch kostenlose. Wem Photoshop nicht zur Verfügung steht, dem empfehle ich zum Beispiel Gimp oder Paint.Net. Als Downloadseite kann ich nur Heise.de bestens empfehlen. Da gibt es keine heimlich eingeschmuggelte Adware, also Werbesoftware wenn nicht sogar Schlimmeres. Ich hasse das, wie der Teufel das Weihwasser. Ein Tipp zum Downloaden. Durch Eingabe der gewünschten Software in einer Suchmaschine und hinten anschließend „Heise Download“ findet man sofort den gewünschten Link. Als letztes empfehle ich noch ein Stativ, ein billiges dazu reicht aus und zur Not gehen auch ein oder mehrere Kissen. Meine verwendete Kamera für diesen Beitrag  ist die Olympus hier .

Legen wir los

Das erste ist, das zu fotografierende Objekt abzustauben und vorher evtl. zu reinigen. Wer Photoshop oder Vergleichbares hat und sich damit einigermaßen auskennt, kann das natürlich auch hinterher digital erledigen, was aber auch nicht wenig Arbeit ist 😉 Sollte das Produkt verkauft werden, wird es vor dem Verkauf aber sowieso gereinigt, warum also nicht gleich jetzt. Wie man auf den Fotos sieht, habe ich diesen Tipp auch nicht ausreichend beachtet und daher sieht man jetzt jedes Staubkörnchen.

Und schon geht es zum Fotografieren. Tipp! Immer genügend Rand link/rechts und oben/unten lassen. Selbst einfache Kameras oder Handys besitzen eine Auflösung, die größer ist, als wir sie für Fotos im Netz benötigen. Also lieber Platz lassen und hinterher zuschneiden, anders herum geht es leider nicht. Abgeschnitten ist abgeschnitten 😉

Ein gutes Produktfoto soll natürlich das Produkt zeigen und nicht die unaufgeräumte Wohnung oder sonstiges Das ist aber oft aufgrund der Perspektive nicht zu vermeiden und wir können das auch hinterher durch Zuschneiden in gewissen Grenzen noch optimieren. Außerdem soll das Foto scharf sein und hell und das Produkt evtl. auch von mehreren Seiten zeigen. Alles kein Problem. Da wir kein zusätzliches Licht brauchen, sorgen wir dafür, dass auch keines von außen in den Raum scheint und unschöne harte Schatten erzeugt. Also eine Stelle suchen, wo keine direkte Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Generell rate ich von einem Blitz ab, da dieser sehr harte, unschöne Schatten und Reflexionen erzeugt. Natürlich vollkommen unprofessionell, aber für diese Art Fotos nicht notwendig.

Das erste Foto

Es ist nicht notwendig, aber zur Untermalung lege ich gerne ein paar Objekte dazu, um den Einsatzzweck etwas zu illustrieren. Da wir unser Produktfoto auf Augenhöhe erstellen, geht es nun runter auf den Boden.

Wir machen jetzt zwei Fotos. Eines mit der größt- und eines mit der kleinstmöglichen Blende, um die gravierenden Unterschiede zu sehen. Am einfachsten die Kamera in den Modus „A“ stellen. Bei den meisten Herstellern ist dies eine Automatik, in der wir die Blende einstellen und die Kamera macht den Rest. Die Blende ist verantwortlich für den Bereich des Fotos, der scharf gestellt wird. Ein hoher Blendenwert, also sagen wir einmal größer als 8, 9, 10 usw., erzeugt einen großen Schärfebereich, ein kleiner Blendenwert, also kleiner als 8, bewirkt das Gegenteil, also einen kleinen Schärfebereich. Auch die Kameraentfernung zum Produkt beeinflusst wie groß der Schärfebereich ist. Je weiter entfernt, desto größer der Schärfebereich und umgekehrt.

Zu beachten ist jetzt auch, was die Kamera speziell bei den hohen Blendenwerten als verwendete Zeit anzeigt. Ist diese größer als 1/60 Sekunde, also 1/20, 1/10 oder noch höher (langsamer), dann sollte jetzt das Stativ benutzt werden, um eine ungewünschte Verwackelung und daher unscharfe Fotos zu vermeiden. TIPP! Wenn möglich und bekannt, die Kamera auf den kleinsten ISO-Wert einstellen. Der niedrigste Bereich der mir bekannten Kameras liegt zwischen 64 und 200.

Jetzt sehen wir uns einmal zwei dieser Fotos an. Das erste habe ich mit Blende 22 aufgenommen. Das Produkt ist daher von vorne bis hinten durchgehend scharf, was oft auch gewünscht wird.

Blende 22  –  alles scharf

Hat man sowieso mehrere Fotos und will auf etwas besonders hinweisen, ist ein Foto mit einem kleinen Schärfebereich auch interessant. Hier das gleiche Foto, aber mit Blende 2,8. Wie man sieht, sticht jetzt der Schraubenzieherteil und die dazu passenden Schrauben geradezu heraus.

Blende 2,8
Blende 2,8  –  nur ein kleiner Teil scharf

 

Vor und Nachteile

Beide Bilder haben ihr Gutes. Bei Bild 1 ist vom Produkt sehr viel mehr zu sehen als bei Bild 2. Dafür werden beim Bild 2 die gewünschten Teile extrem hervorgehoben. Also warum nicht beide Arten für verschiedene Ansichten verwenden. Da wir sowieso schon unten auf dem Boden rumrutschen, sollten wir dies gleich jetzt ausnutzen und aus dieser Ansicht noch ein paar Fotos des Produktes von der Seite und hinten machen, bevor wir uns wieder aufrappeln 😉

Tipp: Wenn eine gute Kameraposition gefunden wurde, diese unbedingt beibehalten und das Produkt drehen und nicht umgekehrt, denn dann würden sich auch wieder die Lichtverhältnisse ändern. Ein Stativ oder notfalls die Kissen, in die man die Kamera fest hineingedrückt und positioniert hat, ist dafür auch bestens geeignet.

Bei Fotos für den Verkauf ist es auch sinnvoll, ein Übersichtsfotos über das mit verkaufte Zubehör samt Unterlagen zu erstellen. Aber bitte nicht alles wie Kraut und Rüben auf einen Haufen und obendrein mit Kabelsalat garnieren. Das wirft kein gutes Licht auf das Produkt und auf den Verkäufer noch weniger.

Weitere Verbesserungen

Eine weitere Möglichkeit ist es auch, das Produkt in seiner natürlichen Umgebung eingesetzt zu zeigen, also in der Küche, Werkstatt, Auto, Hobbybereich usw. Jetzt müssen wir nicht mehr auf dem Boden umher kriechen. Wir können mit Kamera und Produkt bewaffnet die Wohnung unsicher machen und die übrigen Bewohner aus ihren natürlichen Stammrevieren vertreiben. Fotografieren geht nämlich immer vor 😉

Tipp!: Immer mehrere Fotos aus minimal veränderten Ansichten (Höhe und Winkel) machen. Hinterher suchen wir uns dann die Schönsten aus.

Das Produktfoto geht dem Ende zu

Haben wir alle Fotos, geht es an die Feinarbeit. Zuerst suchen wir uns die Ansprechensten aus. Wir brauchen aber keine 20 Fotos vom Produkt, die alle zu 80% das gleiche zeigen. Fünf oder sechs, dafür aber in verschiedenen Ansichten sind in vielen Fällen ausreichend. Bei Fotos für Community ist oft nur eines gefragt und da sehen die Fotos mit geringem Schärfebereich oft schöner aus.

Bei den Detailfotos schneiden wir nun alles weg, was nicht dazu gehört, so dass nur noch das Produkt selbst übrig bleibt bzw. noch den bewusst erzeugten und evtl. unscharfen Hintergrund. Tipp! Nach dem Zuschneiden sollten alle Fotos das gleich Format haben, also nicht gemischt quadratisch, rechteckig usw.

 

Damit wäre ich eigentlich schon fast am Ende. Jetzt noch das Foto verkleinern. In 99% der Fälle reicht eine Auflösung von 1920 Pixel Breite aus. Das Foto wird dann, wenn dies in der jeweiligen Anwendung/Webseite/Handy etc. möglich ist, auch bildschirmfüllend sehr gut dargestellt und man kann auch noch etwas hinein zoomen. In diesem Beitrag lasse ich die Fotos mit 1280 Pixel Breite anzeigen, damit man sieht, welche Wirkung schon diese Größe hat. Beim jeweiligen Anklicken wird bei den Fotos dann das Original mit 1920 Pixel Auflösung gezeigt. (Vollbild mit F11 einschalten bzw. beim Mac mit CTRL+CMD+F)

Abschluß

Nach etwas Übung, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und ich bin auch noch lange keiner, erzeugt man so mit geringem Aufwand, ohne teures Studiozubehör, ein Produktfoto, das für den Alltagsgebrauch ausreichend ist und sich von den anderen gleichen „Konkurrenz-Produkten“ 😉  positiv abhebt. Stimmt jetzt auch noch der passende Text, sitzen sie zumindest schon mal in der ersten Reihe 🙂

Hier weiteren Beispielfotos

mit Einsatzmöglichkeit
mit Einsatzmöglichkeit im Hintergrund

Noch eine andere Ansicht, wieder zuerst mit kleiner Blende und daher nur im vorderen Bereich scharf

Blende 2,8
Blende 2,8

und das gleiche wieder mit größerer Blende , fast alles scharf

fast alles scharf

Noch ein Foto total von oben mit Blende 8

Blende 8
Blende 8

Jetzt noch das oder die gewünschten Fotos aussuchen und unser Produktfoto ist für die Veröffentlichung fertig.
Benötigt habe ich dafür die Kamera und ein Stativ.

Ich wünsche viel Spaß und Erfolg beim nächsten Foto.

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2 Kommentare

  • Christian
    15. Januar 2018 at 20:47 

    Hallo Hans,

    hattest du das Skeletool schon oder wurde der Kauf durch meine Vorführung angereizt?

    Grüße Christian

    • Johann
      16. Januar 2018 at 00:24 

      Hallo Christian,
      nein das habe ich mir nach Deiner Vorführung zugelegt 🙂
      Wusste gar nicht dass Du hier mit liest 😉
      Gruß
      Hans

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